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Gedanken eines Bogenschützen
Heute ist der 26.02 2007, ich habe nun ca. 4
Monate intensivst 18 m Indoor-Training durchgezogen, änderte
mal dies und mal das am Bogen, schoss probeweise diese und
jene Pfeile, änderte die Federn, änderte die Nocken,
tauschte das Peep, änderte das Scope, setzte den Nockpunkt
höher, setzte eine Mundmarke, vieles habe ich demontiert
und wieder montiert, es war zum verrückt werden, himmelhoch
jauchzend, dann wieder tief betrübt, oft stand mir vor
Verzweiflung das Wasser in den Augen, dennoch habe ich mein
Vorhaben durchgezogen. Letztendlich baute ich mir noch mein
Release so um, dass es noch leichter zu lösen ist als
es eh schon war. Schoss täglich ungefähr 200 Pfeile
und analysierte fast jeden Schuss. Warum ich die 10 getroffen
habe oder warum nur einen niedrigeren Ring.
Die Antwort erhielt ich 3 Tage vor der Indoor -Staatsmeisterschaft.
Meine persönliche Vorstellung über meine Schießtechnik
habe ich damit Großteils erreicht.
Mental habe ich mich insofern vorbereitet, indem ich mit Franz
Klanert über gewisse Schwächen von mir sprach, von
ihm Rat einholte und überdies legte ich mir noch ein
ganz tolles Buch über mentale Wettkampfvorbereitung zu.
Dank dieser beiden Informationsquellen konnte ich mich nun
auf den anstehenden Indoor-Bewerb in Hartberg, im Gegensatz
zu früheren anderen Turnieren, tatsächlich freuen.
Da der Bewerb für die Compoundschützen erst am Sonntag
stattfand, entschloss ich mich, schon am Samstag anzureisen,
um die Atmosphäre und den Ablauf für den nächsten
Tag in mich aufzunehmen. Dort angekommen überprüfte
ich die für einen Compounder doch so wichtigen Lichtverhältnisse
und bemerkte, dass es in der Hallenmitte ein paar Scheiben
gab die weniger belichtet waren als der große Rest.
Meine Scheibennummer war zum Glück 16 C und die war schön
beleuchtet, ich war beruhigt. Mehr davon später.
Mir gingen viele Gedanken durch den Kopf, unter anderem auch
die Zusammenstellung jenes Teams das für Niederösterreich
als "NÖ 1" an den Start gehen sollte. Auf Grund
der Ergebnisse vorhergehender Turniere gewisser Schützen
stand für mich insgeheim fest, wer vom NÖ Präsidenten
DI Friedrich Kutscher vermutlich nominiert werden wird und
für mich war klar, es wäre damit möglich, einen
der drei Stockerlplätze in dieser Aufstellung zu erkämpfen.
In den nächsten Stunden bis zum morgigen Wettkampf legte
ich mir noch meine Strategie zurecht, in der es darum ging,
die verbleibende Zeit mit Joga, Konzentrationstraining, mentales
Schießen und Gleichgewichtsübungen zu nutzen, um
am Wettkampftag absolut Topp vorbereitet zu sein.
Den restlichen Samstag verbrachte ich damit, unsere Schützen
so gut es ging zu unterstützen.
In der Klasse Recurve Herren kämpften "NÖ 1"
mit Kos Peter, Stricker Christoph und Nolz Josef gegen "OÖ
1" um Gold. Es siegte die oberösterreichische Mannschaft,
unsere Schützen gewannen Silber. Ich persönlich
freute mich sehr über diesen zweiten Platz und dachte,
es wäre schön, wenn auch wir Compounder ein solches
Ergebnis am morgigen Tag erringen könnten.
Am nächste Tag, der Bewerb um die Qualifikation beginnt,
ich bin die Ruhe in Person, kein bisschen nervös und
es läuft gut. In der ersten Runde schieße ich 288
Ringe, mein bisher höchstes offizielles Indoor-Ergebnis.
Danach ging ich frische Luft schnappen, und sah beim Hinausgehen
die Ranking-Liste der ersten Runde an der Wand hängen.
Ich konnte nicht fassen wer da an dritter Stelle angeführt
war, es war mein Name der da stand, einige gute Schützen,
teilweise auch aus dem österreichischen Nationalkader,
habe ich hinter mir gelassen, haben sich meine Vorbereitungen
so gelohnt?
Der 2te Durchgang beginnt, und ich merke schon bald, es läuft
nicht so wie in Runde 1.
Ich schieße nur 282 Ringe und werde damit gesamt 6ter
von 50ig Schützen in der allgemeinen Klasse. Für
mich immer noch ein absolutes Spitzenergebnis, da noch sehr
hochkarätige Compounder hinter mir liegen.
Für Nachmittag stand der Teambewerb an und es kam wie
es kommen musste, bzw. wie ich es mir schon in Gedanken vorgestellt
habe. Der NÖ Präsident DI Friedrich Kutscher nominiert
Maritsch Günter, Völkl Christian und mich für
das Team "NÖ 1".
In der Qualifikationsrunde erreichten wir mit 225 Ringen Platz
4, Tirol wurde mit 229 Ringen Erster.
Auf Grund dieses Guten Scores erhielten wir ein Freilos während
sich andere noch um die Plätze schießen mussten.
Uns dreien war nicht ganz klar auf wen wir in der nächsten
Runde stoßen werden, hofften aber stark, dass es nicht
"Tirol 1" wird. Wir hatten etwas Glück, das
Team Burgenland mit Linhart Christian, Geiszler Franz und
Huditsch Eduard wurde unser Gegner. Diese erste Begegnung
konnten wir mit 224 zu 222 Ringen für uns entscheiden
und waren somit eine Runde weiter.
Der Alptraum wurde in der nächsten Begegnung wahr, "Tirol
1" stand vor der Tür und wollte herein. Meine Mitschützen
und ich blieben trotzdem ruhig und schossen so gut wir konnten.
Beim Scoren nach der zweiten Passe war "Tirol 1"
bereits 3 Ringe vor uns und so wie es aussah gab es für
uns kein Weiterkommen. Resignieren allerdings stand für
uns alle drei nicht zur Debatte. Wir schossen weiter, Günther
als Ester, Christian als Zweiter und ich habe mich freiwillig
für den stressigen Dritten entschieden, weil viele behaupten,
dass ich schnell schießen kann. Ich hatte gerade die
dritte Passe beendet als ich Christian hinter mir sagen hörte,
lass dir Zeit Gerhard Kranabeter hat soeben einen Pfeil verschossen.
Beim Scoren stellte sich laut Schiedsrichterentscheidung,
die Christian herbeigeführt hatte, heraus, das Kranabeter
in den mittleren Spot, in dem bereits ein Pfeil in der 10
steckte, eine 7 oder einen 8 schoss, so dass der Ring mit
dem höheren Wert gestrichen wurde und der verschossene
Pfeil im niedrigerem Ring zur Wertung kam. "Tirol 1"
verlor dadurch mehr als 10 Ringe und es fiel uns nun wie Schuppen
von den Augen, dass wir, wenn nichts mehr passiert, auf alle
Fälle in die nächste Runde kommen und um Gold schießen
werden. Aber noch war es nicht so weit, Völkl und Maritsch
haben ihre Pfeile in der Auflage mit gutem Score versenkt,
es lag nur noch an mir den Aufstieg zu Gold oder Silber zu
vervollständigen. Das ist leichter gesagt als getan in
solch einer Situation. Nachdem Günter seine zwei Pfeile
geschossen hatte, trat ich an die Schusslinie und begann erneut
das Prozedere mit Pfeil einnocken, Release am Loop fixieren
... dann bekam ich wie jede Runde von Christian die Information
noch vierzig -damit war die mir noch verbleibende Zeit für
zwei Pfeile in Sekunden gemeint- das Adrenalin fuhr in mir
aus, sodass ich gar nicht bemerkte, dass das Release schlecht
geschlossen war. Beim Spannen des Bogens öffnete es sich
und der Pfeil flog einen Meter vor mir zu Boden. Für
eine Sekunde sah ich "Tirol 1" schon aufsteigen,
doch dann zog ich kurz entschlossen den nächsten Pfeil,
nockte ihn ein, schloss das Release, spannte den Bogen, zentrierte
in wenigen Sekunden Scope mit Peep auf der Scheibe und traf
nach dem Lösen die 9.
Ich wusste, die Zeit für den nächsten Pfeil ist
mehr als knapp, maximal 15 Sekunden, mein Herzschlag verdoppelte
sich bereits, meine Handflächen waren schweißgebadet
und nun ging es ans Eingemachte, Pfeil eingenockt, und Release
am Loop fixiert, ich spannte gerade den Bogen und hörte
im selben Augenblick von Christian, der immer hinter mir stand,
das vereinbarte Kommando noch fünf......., ich dachte
ich werde verrückt, ich musste nun in vier Sekunden zielen
und vor dem Signalton, der diese Runde beendet, noch schießen.
Mein einziger Gedanke war nur, wir haben es bis hierher geschafft
soll es nun durch mich zu Ende sein? Nein, ich verschenke
in so einem Fall nichts, riss mich ein letztes Mal zusammen
und mir gelang eine neun. Es fiel ein Fels von meinen Schultern,
denn wir waren weiter und bekamen "Steiermark 2"
als Finalgegner, die in der selben Runde gegen "Tirol
2" mit 224 Ringen in Führung gingen.
Im Finale war es wie in den Runden vorher, schoss der eine
etwas weniger Ringe, schossen die beiden anderen die erforderliche
Differenz, sodass immer ein sehr guter Durchschnitt, um in
Führung zu bleiben, erreicht werden konnte.
Wie auch schon vorher, schoss ich die beiden undankbaren letzten
Pfeile. Ich stand gerade mit dem Ersten im Anschlag und hörte
Günther hinter mir sagen: "Es genügen uns zwei
Neuner". Das hat mich dazu veranlasst zu glauben, dass
die Zeit knapp wird und ich schneller schießen soll.
Vor lauter Nervosität schoss ich eine 8. Vollgepumpt
mit Adrenalin ließ ich auch noch den letzten Pfeil in
die 8 sausen. Ich war fix und fertig, weil ich dachte, es
würde für Gold nicht mehr reichen und ich das Ergebnis
der Steirer nicht kannte, da ich aus Prinzip während
des Schießens nie auf die Nachbarscheibe schaue. Doch
dann beruhigten mich Günther und Christian, dass wir
noch 2 Ringe vor "Steiermark 2" liegen und damit
die Indoorstaatsmeister 2007 sind.
Unsere Freude, das wird sich jeder vorstellen können,
war riesengroß, denn der Staatsmeistertitel Indoor wurde
dadurch für dieses Jahr nach Niederösterreich geholt..
Kurz danach musste ich mich in mein Auto zurückziehen,
denn mir ging das Wasser in den Augen über. Innerhalb
kürzester Zeit wurde mir bewusst, dass sich all die Mühe
mit dem Bogen Setup und dem sonstigen sehr zeitaufwendigem
Training gelohnt hat. Auch der gewaltige Druck, der auf einem
beim Mannschaftsschießen lastet, ist mit einem Male
verschwunden und man denkt fliegen zu können. Es bleibt
ein unvergessliches Erlebnis.
Übrigens im 1/16-Einzelfinale flog ich auch schon in
der ersten Runde aus dem Turnier, ich musste mich in Hallenmitte
auf Scheibe 21, die für meine Verhältnisse zu schlecht
beleuchtet war, gegen Krasnik Rene, der einen Ring mehr schoss,
geschlagen geben.
Erich Moser Baukunst.co.at
vom UBSC Artemis
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